Hinter den Kulissen - Skyes Schreibwerkstatt
Schreiben ist bei mir kein ritualisierter Akt mit festen Uhrzeiten, Kerzenlicht und perfekt kuratierter Playlist.
Es passiert, wenn es passiert. Und manchmal genau dann, wenn eigentlich etwas anderes an der Reihe wäre.
Ich schreibe, wenn Luft ist. Im Wartezimmer beim Arzt, wenn Gedanken drängen. Abends nach Feierabend. Am Wochenende. Und gelegentlich auf Kosten von Haushalt und Ordnung, wenn meine Figuren lauter sind als alles andere. Es gibt keine festen Schreibzeiten und keine festen Regeln – nur dieses innere Gefühl, dass eine Szene jetzt geschrieben werden will.
Meine Arbeitsweise ist dabei ebenso wechselhaft wie meine Geschichten. Manchmal brauche ich Musik, manchmal stört sie mich mehr, als dass sie hilft. Wenn mein Kopf beschließt, lieber mitzusingen, als meine Figuren in den nächsten Konflikt zu schicken, bleibt die Musik aus. Kaffee steht fast immer auf dem Schreibtisch – meist kalt geworden. Alternativ Cola, Apfelsaft oder gelegentlich eine Dose Red Bull. Und irgendetwas zum Snacken gehört ebenfalls dazu.
Wenn ich richtig im Flow bin, hängt an der Tür meines Arbeitszimmers ein „Bitte nicht stören“-Schild. Ich nenne diesen Raum meine Schreibwerkstatt – nicht, weil dort alles ordentlich wäre, sondern weil dort gearbeitet wird. Emotional, intensiv und manchmal so nah, dass Schreiben auch Tränen bedeutet.
Um mich in meine Figuren hineinzuversetzen, konsumiere ich viel: Serien, Filme, Bücher aus ähnlichen Genres. Ich beobachte, nehme wahr, leihe mir Charakterzüge oder visuelle Eindrücke. Seit meine Figuren auch ein Gesicht haben, fällt mir das noch leichter. Wenn ich eine Szene schreiben will – besonders eine emotionale –, schaue ich mir ihr Bild an, versetze mich in ihre Lage und durchlebe die Situation innerlich, bevor ich sie zu Papier bringe. Schreiben ist für mich kein distanzierter Akt, sondern ein Mitfühlen. Und ja: Das kann dazu führen, dass ich beim Schreiben weine.
Musik spielt in meinen Geschichten eine besondere Rolle. Songtitel oder Bandnamen sind kein Beiwerk, sondern bewusst gewählt. Sie tragen Bedeutung, spiegeln Stimmungen oder markieren Wendepunkte. In Changing Keys übersetzen meine Figuren sogar einen ganzen Songtext – weil Musik dort nicht nur Atmosphäre ist, sondern Teil der Handlung. Dass ich inzwischen auch eigene Songs zu meinen Romanen entwickle, hat sich eher ergeben als geplant. Es ist eine Erweiterung dessen, was ohnehin schon da war.
Auch mein Schreibprozess hat sich über die Jahre verändert.
Was mit Word-Dokumenten, Excel-Tabellen und groben Plots begann, ist heute deutlich strukturierter. Mit Papyrus habe ich ein Werkzeug gefunden, das meine Arbeitsweise auffängt: Charakterkarten, Setting-Übersichten, detaillierte Plots und Szenenplanung. Bevor ich schreibe, denke ich heute mehr voraus – und diskutiere vieles vorab. Oft auch im Austausch mit Else, meiner KI-Co-Autorin, die mir hilft, Logik zu prüfen, Figuren zu hinterfragen oder Plotideen weiterzudenken.
Mit jeder Veröffentlichung ist auch mein Blick auf Überarbeitung gewachsen. Während ich anfangs vor allem Tipp- und Absatzfehler korrigiert habe, achte ich heute stärker auf Wortwahl, Rhythmus und das, was zwischen den Zeilen passiert. Seit Changing Keys arbeite ich zudem mit Testleser:innen – darunter auch ein männlicher Autorenkollege –, um Perspektiven zu erweitern und blinde Flecken zu erkennen. Meine erste und kritischste Leserin ist dabei nach wie vor meine beste Freundin.
Lesen hat sich für mich dadurch verändert. Ich konsumiere weniger unbefangen, lese oft wie eine Lektorin, mit Blick auf Stil, Struktur und Logik. Umso besonderer sind die wenigen Bücher, die mich noch vollkommen vergessen lassen, dass ich selbst schreibe. Ich messe sie scherzhaft an meinem persönlichen Tränenfaktor.
Hinter den Kulissen ist Schreiben für mich kein sauberer Prozess.
Es ist ein Wechsel aus Planung und Bauchgefühl, aus Struktur und Chaos, aus Distanz und tiefer Nähe.
Und genau so entstehen auch meine Geschichten.